Bamberg – deine Fahrräder

Irgendwo gerade eben, wahrscheinlich auch in deiner Stadt, verrotten gerade unzählige Fahrräder. An den absurdesten Orten blüht der Rost.

Diese rot braune Farbenpracht macht das besondere „Etwas“ in unserem schönen Bamberg aus. Wer im Winter auf dem Weg zum historischen alten Rathaus ist, Bambergs top Sehenswürdigkeit, der bekam heute sogar noch eine spontane Austellung von den Bürgern zu sehen.

Die Bierflasche liegt hier nicht nur weil das in Bamberg obligatorisch ist, nein, sie macht dieses hervorragende Arrangement erst so besonders. Kunst im urbanen Raum für und von jedermann, Joseph Beuys wäre begeistert.

Doch erst im Winter, wenn die Landwirte die Flüsse nicht mit Kunstdünger anreichern, um so die „typische“ grüne Farbe unserer Flüsse zu erzeugen, sieht man unter die Oberfläche dieses modernen Phänomens. Wo einst Unterwasserpflanzen und Forellen vor sich hin vegetierten, ist jetzt das Fahrrad das dominante Lebewesen geworden. Das hätte selbst Darwin überrascht, so ist das Fahrrad doch nur sehr mäßig an diese Umgebung angepasst.

Doch woher kommt das Material für all diese modernen „Ready-Made“ Kunstwerke? Es wirkt so als gäb es bald mehr Fahrräder als Menschen auf diesem Planten. Tatsächlich gibt es nur Schätzungen über die Gesamtzahl, sogenannte Experten sind sich aber einig, dass es auf der Welt schon mindestens eine Milliarde Fahrräder gibt. Die Tendenz ist steigend, denn jährlich kommen circa weitere 130 Millionen dazu, stand 2020. Das sind vier neue Fahrräder pro Sekunde!

Die gute Nachricht ist, rein mathematisch betrachtet wird es in 52 Jahren ein Fahrrad für jeden einzelnen Menschen geben. Die schlechte Nachricht ist, dass Mathematik nichts mit der Realität zu tun hat, und Länder wie Deutschland schon jetzt praktisch diesen Zustand erreicht haben, denn hierzulande gibt es bereits ungefähr 76 Millionen Räder, bei 83 Millionen Einwohnern. Bedenkt man, dass Kleinkinder, Wirtschaftsbosse und andere pflegebedürftige Menschen meist nicht Fahrrad fahren können, dann haben wir sogar mehr als irgendjemand fahren könnte, der Markt ist gesättigt, die Preise für gebrauchte Fahrräder rutschen ins Negative.

Gratis Fahrräder für alle ist also längst keine Utopie mehr, es passiert gerade eben vor unseren Augen. Eigentlich.

Denn es gibt natürlichen einen Haken, also eigentlich mindestens drei Haken, an der Geschichte:

Erstens sind die meisten Menschen zu beschränkt um ihr Fahrrad zu pflegen und zu warten. Denn in den allermeisten Fällen kommt ein Fahrrad wegen eines „Platten“ zum erliegen, das bekommen geistig und körperlich gesunde Menschen eigentlich hin, mein 10-jähriger Nachbar schafft es zu mindestens. Okay zugegeben, „digital natives“ wissen ja auch was ein „online Tutorial“ ist, woher sollte man das als Normalsterblicher auch wissen. Hier ein kurzer Pro-Tipp an die älteren Leser, Reparaturanleitungen kann man auch in Büchern nachlesen, solche Bücher sind zum Beispiel in der Stadtbücherei Bamberg öffentlich und frei zugänglich. Und wenn man dann noch die schon etwas höhere Geistesleistung aufwendet, zu erkennen, dass geschmierte Ketten und Ritzel wesentlich länger halten(und leichter gehen bei minimalen Arbeitsaufwand), dann erspart man sich nicht nur Ersatzteile sondern mindestens drei von vier Besuchen in der Fachwerkstatt, falls es in Ihrer Stadt so etwas neben Fahrradfachverkäufern noch geben sollte.

Der Zweite Haken ist die Mode, auch dieses Phänomen grenzt an geistige Verkümmerung, denn wer würde ernsthaft sagen das ein größtenteils handgebauter Stahl-Rennradklassiker wesentlich schlechter sei als ein Carbon-(im Volksmund auch Plastik genannt) Mountainbike, das vom Design her eindeutig den Raumschiffen aus Star-Trek nachempfunden wurde. Beide Designs haben ihre Berechtigung und beide können ähnlich viel Spaß und Freude bereiten, jedoch übersteigt der Marktwert des Neuen den des Alten um bis zu das 100 fache und das obwohl der Nutzwert vergleichbar bleibt.

Und dann der ultimative Killer für jedes vernachlässigte Hinterhof/Keller Fahrrad, das E-Bike! Spaß beiseite, E-Bikes sind an sich nicht das Problem, sie kratzen bei Steigungen nur an so manchem Ego. Die Hersteller von diesen elektrischen Komponenten, die sind aber ein Problem. Mit der alten greenwashing Leier von wegen Nachhaltigkeit, Öko-Gedöns, keine Abgase, blablabla bauen diese Irren Fahrradteile ohne wesentliche Standards einzuführen oder Normen einzuhalten. Nach nur 7 Jahren im Schnitt gibt es keine passenden Ersatzteile mehr. Ergo fahren die Dinger auch selten länger und sind dann irreparabel. In dem Moment wo man sich in Deutschland ein E-Bike kauft, produziert man gleich zwei mal Streetart. Sogar eine besonders edle Form davon, mit seltenen Erden, wie Neodym, als Kirsche auf der Sahne.

Die Erde wird nicht deshalb untergehen, weil wir scheiße mit unseren geliebten Fahrrädern umgehen, sondern weil das nur die Spitze des Eisberges ist. Wenn Ihr also der Welt zeigen wollt, wie kaputt sie eigentlich schon längst ist, denn das haben so viele noch nicht begriffen, dann macht Fahrrad-Streetart zu einem neuen Hype, holt die alten Kisten aus dem Keller und nagelt sie zum Beispiel wie Luther an irgendwelche Türen, im Zweifel einfach an die eigene.


Anm. d. Redaktion: Die BLF weißt darauf hin, dass das Wort „Fahrrad“ Baumarkt/billig Fahrräder nicht mit einschließt, diese sollt ihr natürlich verbrennen oder sie in diabolische Messen opfern. Diese Welt braucht bestimmt keine Fahrräder die sogar nagelneu schon Schrottkunst sind.

Ein Gedanke zu “Bamberg – deine Fahrräder”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.